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Fatos Veseli – Light Achsen & Kaffee mit Schuss

Geschichten aus dem Skateshop

Robotron Fahrer Fatos Veseli ist der Mann hinterm Tresen im Pivot Skateshop und als solcher geübt im Umgang mit allen möglichen Kunden. Wir haben uns mit ihm über den Alltag in einem Shop unterhalten, über Light Achsen und Kaffee mit Schuss.

[Interview: Stefan Schwinghammer]

Fatos, seit wann arbeitest du eigentlich im Pivot?
Ich bin jetzt seit drei Jahren fest angestellt und mache eine Ausbildung als Groß– und Einzelhandelskaufmann, hab aber vorher schon immer nach der Schule im alten Pivot im Lager gearbeitet. Nach der Schule hab ich eine Ausbildung als Zahntechniker angefangen, hatte dann aber keinen Bock drauf. Eigentlich wollte ich trennen zwischen Arbeit und Skaten, nicht um irgendwann die Schnauze voll davon zu haben, aber das war komplett falsch und dann hab ich halt hier angefangen und das ist super.

Abgesehen davon, was super ist, welche Kunden nerven?
Die, die im Internet irgendwelche Fremdwörter aufschnappen, die sie selbst noch nie gehört haben und dann hier hinkommen und das Unmögliche wollen. Das sind die Schlimmsten… Und Ernie (Name von der Redaktion geändert…), Ernie ist der Schlimmste. Der schreibt um 22 Uhr abends: „Ey, habt ihr das Board noch da?“ Dann sag ich: „Ja klar, komm vorbei“. Dann ist der Laden noch zu und er schreibt schon wieder: „Ey Fatos, kann ich schon in den Laden rein?“ Oder er kommt kurz vor Ladenschluss und misst dann die Boards aus. Ein Typ für sich, aber am Ende geht er auch glücklich aus dem Laden. (Aus dem Off: Aber kommt am nächsten Tag zum Umtauschen). [lacht] Ne, das hab ich ihm jetzt verboten. Deswegen ist er auch immer ein bisschen länger im Laden. Aber der ist dann auch voll glücklich und erzählt: „Boah Fatos, die TPDG Chino! Geil, geil! Ich hab die die ganze Woche an.“ [lacht]

Fatos Veseli

In deiner Beratungsfähigkeit bist du ja wirklich geübt. Musst du viele Leute von Produkten überzeugen?
Ich mach das meistens so, dass ich den Leuten das empfehle, was ich selbst auch gut finde. Ich finde es nervig, wenn ich ’nem Kunden einfach irgendetwas andrehe und der kommt nach zwei Tagen wieder und ist abgefuckt.

Gibt es eigentlich viele Abec-Diskussionen?
Weniger als früher muss ich sagen. Die meisten Leute wissen auch welche Kugellager die wollen und holen sich die.

Was ist, abgesehen von Kugellagern der größte Mythos, der bei Produkten herrscht?
Was ich ganz schlimm finde, sind die Light Achsen. Also die hängen dann hier, eine Light Achse in der einen Hand und eine Normale in der Anderen und versuchen da irgendwas zu merken. Da denke ich mir so: Alter, das merkst du nicht! Ich bin 1,73m und wieg 65 Kilo und fahr ein 8.5er Board mit 149er Achsen. Wenn ich irgendwo hochkomme, dann schaffen die das auch.

Und wenn eine neue Boardtechnologie kommt, musst du dann ’ne Schulung machen?
Wenn da was Neues kommt, dann trainieren mich die Martins natürlich. [lacht] Wir haben davon nicht viel im Laden. Ich muss auch sagen, dass ich da kein Fan von bin. Das interessiert mich nicht. Im Endeffekt ist es halt Holz und ob es dadurch länger hält oder nicht oder der Pop besser ist… Das ist für mich genau so was wie Light Achsen.

„Wenn ’ne Mutter hier reinkommt, um mit ihrem Sohn Schuhe zu kaufen. Dann tun mir die Söhne leid.“

Gibt es irgendwas an Produkten, dass du so richtig gut findest?
Ja, das sind die Robotron Boards [lacht]. Ne aber wirklich, das Shape ist super. Ich fahr mein Board drei Monate, ungelogen. Independent Achsen würde ich auch immer empfehlen. Und die Bones Bushings sind gut.

Was läuft im CD–Player und im Video–Player auf Heavy Rotation?
Also im DVD Player meistens das Bronze 56k Video oder das Supreme Cherry Video. Musik läuft immer Alizee oder Kate Ryan oder sowas. Ella, ella [lacht]. Manchmal auch Britney Spears mit Toxic oder ganz neu, das lieben auch unsere Pivot Jungs ist ehm… Taylor Swift! Das macht die Kunden auch locker. Dann sehen die uns hier alle lachen und so. Für die ist das auch immer voll das Erlebnis hier einzukaufen. Die kommen rein und wissen nicht genau, was abgeht… Neues Terrain und so.

In ’nen Skateshop zu gehen ist für manche ja fast so eine Überwindung wie ’nen Pornoladen zu betreten.
Aber meistens ist es dann so, dass einer von uns das Eis bricht und dass es dann ziemlich lustig wird. Dann reden die einfach mit. Ich mach das auch öfter so, dass wenn ich sehe, dass eine Mutter schon ein paar Kilometer mit ihrem Sohn durch die Stadt gelaufen ist und der sich nicht entscheiden kann, dann biete ich ihr einen Kaffee.

Fatos Veseli

Mütter sind ja auch ein spezielles Thema. Kannst du gut mit Müttern?
Ach, mit Vätern kann ich besser. Die sind sogar cooler, finde ich. Also wenn ’ne Mutter hier reinkommt, um mit ihrem Sohn Schuhe zu kaufen. Dann tun mir die Söhne leid. „Schau mal der Schuh gefällt mir aber besser.“ Der Junge verdreht die Augen und ihm ist es auch selbst unangenehm. Dann musst du die Mutter erstmal ablenken. Dann sagst du: „Die Schuhe sind aber wirklich top, die der Junge sich ausgesucht hat,“ denn du weißt ganz genau, wenn der Junge andere kauft, ist er unglücklich. Aber wenn du die Mutter überzeugst, dass die Schuhe super sind, dann geht er glücklich raus, kommt auch wieder und die Mutter ist auch glücklich.

Was ist das Komplizierte bei Vätern?
Die stellen immer tausend Fragen. Und dann sieht der Vater, dass ein anderes Board ein bisschen günstiger ist. Dann versucht der natürlich seinen Sohn zu überreden. Stellst du den Vater aber mal aufs Board und erklärst ein paar Dinge, dann merken die das und dann hast du den. [lacht] Es gab mal ’nen Kunden, der war mit seiner Ex-Freundin hier und die war ein bisschen aufgedrehter und er hatte auch schon kein Bock mehr. Dann hab ich ihm einen Kaffee mit Schuss angeboten. Dann waren die ’ne Dreiviertelstunde hier und haben gut eingekauft.

Also besoffen machen ist auch ne Methode?
Ich wollte ihm nur den Tag retten. Aber wenn du jetzt irgendwo in einen Laden gehst und hier so ein Verkäufer steht und dir die ganze Zeit über die Schulter guckt, dann kannst du nicht und willst dann auch nicht mehr. Genau das will ich nicht hier haben. Sie sollen sich einfach wohlfühlen.

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