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Bonkers Skateshop

26. August 2016

Frankfurt – da geht nix. Oder: Frankfurt, da ging früher mehr. Hauptwache und so. Das hörte man lange Zeit, doch in den letzten Jahren hat sich das wieder geändert. Immer mehr Leute kommen nach Frankfurt zum skaten, die Hauptwache Curbs haben ein Facelift bekommen und vor allem gibt es mit dem Bonkers wieder einen Laden, der die Szene aktiv pusht.

Bonkers Frankfurt

Bonkers Frankfurt

Seit: 2010
Inhaber: Fabian Herkelmann, Martin Schreiber

Teamfahrer: Tim Thomas, Luis Kohl, Kert Hollywood

Videos:

Webseite: www.bonkers-shop.com

Facebook: Bonkers

Instagram: bonkers_frankfurt

Mail: info@bonkers-shop.de

Tel.: 069-15246300

Adresse: Klappergasse 11, 60594 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: Mo-Sa 12:00 – 19.30

Bonkers Frankfurt

Bonkers Frankfurt

Martin Schreiber

Erzähl mal Martin, wie hat sich Bonkers entwickelt?
Also den Laden haben Fabian Herkelmann und ich im November 2010 gegründet. Ich war in der Ausbildung zum Mediengestalter und Fabian arbeitet eigentlich in der Hörgerätebranche, es hat also als Hobby begonnen. Wir hatten viele Marken gesehen auf die wir Bock hatten, die es aber nirgendwo in Deutschland gab. So haben wir online angefangen, mit Stuff auf dem Dachboden. Polar und Magenta hatten wir mit als Erste dabei. Das Konzept war, den Shop mit kleineren europäischen Brands hochzuziehen. Später haben wir dann gemerkt, dass wir auch die amerikanischen Brands verkaufen müssen, da sich zu der Zeit dort ja auch einiges getan hat und sich alles etwas von Cali an die Ostküste verlagert hat. So hat es sich entwickelt und führte dazu, dass auch andere Brands ankamen. Wir hatten dann recht früh Palace und Fucking Awesome. Das alles lief online so gut, dass wir uns entschieden haben den Laden zu eröffnen. Denn wenn wir was bewegen wollen, klappt das nun mal nicht vom Dachboden aus. Haben dann eine Weile gesucht, wir haben die letzte Kohle zusammengekratzt und sind bis heute glücklich damit.

War es schwierig als „Dachbodenbetrieb“ an die ganzen Marken zu kommen?
Eigentlich nicht. Wie gesagt, als Polar aufkam hatten wir auch direkt ihren Stuff. Wir hatten auch einen recht guten Draht zu Pontus (Alv), da wir ihn in Berlin kennengelernt hatten. Es war dann auch relativ schnell so, dass man Bonkers kannte und Frankfurt ist natürlich auch eine Stadt, wo man als Brand hin will.

“Es ist 2016 und wir hängen nicht mehr in den 90ern”

Welche Auswirkungen hatte der Laden auf die Skateszene in Frankfurt?
Wir glauben, dass sich die Leute hier seitdem damit befassen, was es noch so an Brands gibt und alles ein bisschen offener geworden ist. Die Frankfurt-Szene war vorher geschlossener. Doch seit dem es uns gibt, kamen auch immer mehr Leute her und die Szene hat sich deutlich gelockert. Die Skater hier bekamen auch immer mehr einen Blick für Europa und schauten nicht mehr nur nach Amerika. Es kommen mittlerweile viel mehr Jungs in den Laden und sprechen über neue Videos von Polar oder Magenta.

Man hört ja jetzt auch öfter wieder, dass Teams nach Frankfurt kommen, Fotos gemacht werden und auch neue Videos erscheinen. Ist die Wahrnehmung richtig, dass in Frankfurt wieder mehr geht?
Auf jeden Fall! Der Jon Wolf hat da einen super Job gemacht. Er ist ein top Filmer und hat dadurch auch immer mehr Leute her gebracht. Da gab es das “Eija Klar” Video, was fast jeder in Deutschland mitbekommen hat. Er bringt Leute hier her, wir versuchen Leute herzubekommen. Wie oft ist es so, dass Leute in den Shop kommen und fragen wo der und der Spot ist, weil sie ihn auf unserer Instagram Seite gesehen haben. Das bekommen natürlich auch die Frankfurter mit, das Ganze wird offener. Und die Jungs hier geben mehr Gas.

Bonkers Frankfurt

Bonkers Frankfurt

Wie agiert ihr konkret als Shop um die Szene in Frankfurt voranzubringen?
Wir machen verschiedene Sachen. Beispielsweise planen wir gerade einen Contest, bei dem Frankfurter Spots angesteuert werden. Wenn es gut läuft, wird es ein jährliches Event. Wir versuchen als Shop auch rüberzubringen, dass Skaten auf der Straße stattfindet, um die Leute in die Stadt zu treiben. Wir haben z.B. gerade von adidas einen Picnic-Table organisiert, denn wir an die Hauptwache gestellt haben. Sonst machen wir auch verschiedene Foto- oder Kunst-Ausstellungen, die sich dann z.B. auch mal mit der Geschichte von Skateboarding in Frankfurt beschäftigen, um gerade der jungen Generation zu vermitteln, wie viele Möglichkeiten sie haben.

Du hast die Hauptwache schon angesprochen. Welche Rolle spielt die für Frankfurt und wie ist es da heute, im Gegensatz zu früher?
Früher konnte man nicht an die Wache gehen, wenn man nicht aus Frankfurt war. Da wurde man einfach abgerippt. Es gab überall Dealer und da hat die Stadt Frankfurt natürlich versucht das Stück für Stück zu verbessern. Das hat sich seit den 90ern alles so ein bisschen gewandelt, aber die Hauptwache ist immer noch der zentrale Spot für unsere Szene.

Sollte die Stadt nicht eigentlich froh sein, wenn Skater den Ort für sich besetzen und damit evtl. Dealer sogar vertreiben?
Das war hier genau andersrum. Da wo die Drogenzonen an der Hauptwache waren, waren auch die meisten Skater. Die haben sich da sehr gut ergänzt. Deswegen werden neue Skateparks gebaut. Sie wollen die Probleme von der Hauptwache wegkriegen und so wie es aussieht, wird die Hauptwache auch in den nächsten Jahren leider weggerissen. Frankfurt möchte ein neues Stadtbild errichten und da sind sie froh, wenn dieser „Schandfleck“ weg ist. Aber so leicht kriegen sie uns da nicht los.

Ihr habt es relativ schnell geschafft euch als Shop einen Namen zu machen. Was denkst ist das Wichtigste um einen Laden zu etablieren?
Letztendlich haben wir einfach versucht unser Ding zu machen. Wir haben gesagt, wir wählen nur das aus, wo wir wirklich Bock drauf haben. Wir wollten einfach nicht als Laden für Kinder dastehen, obwohl es das natürlich bringt. Eltern kaufen den meisten Stuff für ihre Kinder. Da wollten wir Bonkers etwas abgrenzen. Unser Laden erinnert auch eher an eine Boutique, es ist etwas moderner als andere Skateshops. Das mag daran liegen, dass wir uns auch für andere Dinge interessieren, wie Mode oder Architektur und haben uns da nicht an Shops aus Deutschland orientiert, sondern auch nach Belgien oder Frankreich geschaut.

Bonkers Frankfurt

Bonkers Frankfurt

Ich finde es auch ganz schön, wenn man sich nicht immer nur in der reinen Skateboardsuppe suhlt. Aber habt ihr deshalb auch schon Kritik bekommen?
Natürlich! Es gibt vor allem ältere Leute die sagen, dass sie die Hälfte der Marken nicht kennen und dass sie wesentlich mehr Zeug zur Auswahl brauchen. Klar haben sie damit Recht, aber jeder will sein eigenes Ding machen. Dann kann man auch einfach zu einem anderen Laden gehen. Wir sagen ganz einfach es ist 2016 und wir hängen nicht mehr in den 90ern. Wir hatten hier in Frankfurt mehr als genug Beef, aber versuchen das auch immer mit den andern Shops hinzukriegen – mit einigermaßen Erfolg. Aber Kritik gibt es immer, du kannst es nicht jedem Recht machen.

Wie wichtig ist für euch denn der Online-Verkauf?
Ich glaube heutzutage wäre es nur als stationärer Shop viel zu schwer. Gerade da auch in Frankfurt die Szene recht klein ist. Außerdem ist Online wichtig, weil auch wahnsinnig viele auf dem Land leben und nicht die Möglichkeit haben, immer in den nächsten Shop zu kommen. Um irgendwie mithalten zu können, muss man online verkaufen. Aber nur so geht es auch nicht, du musst auch etwas Anderes bieten können

“Früher konnte man nicht an die Wache gehen, wenn man nicht aus Frankfurt war. Da wurde man einfach abgerippt”

Nach welchen Kritierien wählt ihr euer Sortiment aus?
Es gibt ein paar Punkte die uns echt wichtig sind: Nämlich ob es eine Skatemarke ist, die auch wirklich in dem Bereich drin ist. Optimal ist es, wenn das Produkt Skater-owned ist, was im Schuh- oder Hosenbereich derzeit leider nicht immer möglich ist. Natürlich auch ob dadurch die Szene supported wird. Ein großer Punkt ist auch, ob das Brand nur immer irgendwo ihre Logos draufhaut oder ob auch mal etwas mehr Design kommt und natürlich schauen wir sehr stark auf die Qualität. Das ist uns auch bei unseren eigenen Produkten sehr wichtig. Wie sind die Produkte vernäht? Welche Qualität hat der Stoff? Schließlich wollen wir ja keinen Schund verkaufen und wirklich nur Sachen anbieten, hinter denen wir wirklich stehen können.

Du hattest vorhin angesprochen, dass ihr auch auf Sachen aus Belgien, Frankreich oder England geschaut habt. Wir haben in der Redaktion auch teilweise die Diskussion, warum es keine deutsche Firma schafft sich international durchzusetzen, wie eben Magenta, Polar oder Palace. Was denkst du woran das liegt und von welchen deutschen Firmen denkst du, dass sie ihr Ding gerade sehr gut machen?
Ich feier gerade ziemlich die Jungs von Europe aus Essen, obwohl bis jetzt noch nicht so viel rumkam, verstehe ich mich mit den Jungs voll gut und was sie erzählen, wo sie hinwollen, klingt super. Das sind Jungs von denen man sagen kann, die haben was, die packen was an. Sonst feier ich noch TPDG, die einfach mal eine Hose machen, obwohl es mega schwer ist Hosen zu verkaufen. Aber das ganze Drumherum ist einfach richtig gut. Sie haben ein hammer Team aufgebaut und es geschafft, das Ganze mit einem guten Image zu verpacken, was leider vielen deutschen Marken fehlt. Da fehlt bei vielen der Hintergrund und eine Linie. Wenn ich nach Paris oder London schaue, sieht man, dass die Leute einfach skaten gehen und Bock darauf haben. Ich hab in Deutschland immer das Gefühl, die Skater machen sich so einen Druck und sind nur auf Sponsoren getrimmt, dass viele Skateboarding eher als Sport sehen und das Gefühl etwas verlieren. Und wenn man so aufwächst kann auch nur schwer etwas Cooles dabei rauskommen. Wenn man da in andere Teile Europas schaut merkt man, dass da alles lockerer ist. Ich häng lieber mit den Jungs am Spot, trink ein Bierchen und hab eine gute Zeit, und das spiegelt sich dann auch in den Marken wieder. Dieses Gefühl fehlt bei vielen in Deutschland. Scheiß auf Deutschland. [lacht]

Deutschland muss sterben damit wir leben können.
[lacht] So würde ich das nicht unbedingt sagen, aber ein großer Teil von Deutschland könnte sterben.

Bonkers Frankfurt

Bonkers Frankfurt

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