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Up & Coming – Wladimir Hoppe

6. Oktober 2016

Manche von Wladimir Hoppes Entscheidungen stellten sich nachträglich als nicht unbedingt optimal heraus. Sich “Yes” und “No” in die Handflächen tätowieren zu lassen zum Beispiel, oder die Lehre die er angefangen hatte. Auf dem Board weiß er allerdings sehr genau was er will und liefert stimmig ab.

[Fotos: Friedjof Feye | Interview: Stefan Schwinghammer]

Solo Skateboard Magazine Up & Coming

Wo kommst du gerade her Wladi?
Ich war in der Schule. Ich mach gerade mein Fachabi in Bremen an der Kunstschule. Ich bin jetzt in der elften Klasse. Vorher habe ich eine Ausbildung gemacht zum Sport- und Fitnesskaufmann aber die hab ich nach einem Jahr abgebrochen.

Wie Sport- und Fitnesskaufmann? Hättest du dann in einem Fitnesscenter arbeiten können?
In der Berufsschulklasse waren schon so Fitnessstudio Typen. So einfach gar nicht meine Welt. Du konntest in der Ausbildung gewisse Lizenzen machen, Kletter-Lizenzen, Fußballtrainer Lizenzen… aber die Meisten machen ihre Workout Lizenz.

Wie bist du überhaupt auf diese Lehre gekommen?
Im Sportgarten in Bremen hab ich halt angefangen zu skaten und ich kannte den Betreiber über ein paar Projekte. Dann habe ich nach einer Ausbildung gefragt und er meinte das geht klar. Deswegen habe ich das angefangen. Aber jetzt mit Kunstschule ist es auf jeden Fall entspannter, ein bisschen freier. Man hat coole Fächer wie Fotografie und Siebdruck, wo ich auch meine eigenen Shirts machen kann.

Wladimir Hoppe – Slappy 50-50

Slappy 50-50

Waren die Fitnessstudio Typen zu viel für dich?
Es war halt genau so wie du es dir vorstellst. Das waren so Typen, die haben Reis und Hähnchen mitgenommen und das haben die sich dann morgens immer trocken reingestopft.

Die gehen nicht ins Rauchereck die gehen Aufbaufutter löffeln.
Auf jeden! Ich war der einzige Raucher und die anderen sind am Tisch gesesen und haben über ihr Trainingsprogramm gelabert. Aber war ja irgendwie witzig, weil ich war ja cool mit denen.

Und wie bist du jetzt drauf gekommen zur Kunstschule zu wechseln?
Durch eine Freundin. Die meinte das sei ein ziemlich entspanntes Fachabitur und man hat Fächer wie Fotografie und so. Ich habe halt Bezug zur Skatefotografie und das ist ziemlich nice. Jetzt hab ich die Basics auf der Schule gelernt und das war schonmal ganz cool.

“Ich war der einzie Raucher und die anderen sind am Tisch gesesen und haben über ihr Trainingsprogramm gelabert.”

Und jetzt bist du öfter am Fotografieren?
Yo, so ab und zu nehme ich eine Kamera mit.

Mit welcher Kamera schießt du?
Mit einer Olympus-35 ECR, die hab ich vom Flohmarkt.

Wie lange wohnst du jetzt eigentlich in Bremen?
Seit letztem Jahr. Ich wohn jetzt in der Neustadt in einer entspannteren WG und hab direkt den Leibnitzplatz um die Ecke, was sozusagen unseren Plaza von damals ersetzen soll. Das war halt so Bremens Mainspot, da haben wir uns immer getroffen und jetzt vor zwei Jahren wurde das abgerissen. Jetzt wurde an so einer Schule der Innenhof erneuert, da wurden so ein paar Holzbänke und Curbs hingestellt. Es kamen halt die ganzen Leute wieder an den Start und das ist ziemlich sick. Da kommen alle wieder zusammen, jung und alt, die ganze Bremer Szene. Das wächst hier wieder. Das ist ganz schön, weil wir jetzt auch die Halle im Winter bekommen.

Wladimir Hoppe – Wallie

Wallie

Du bist viel mit Julian Ruhe und Jan Hoffmann unterwegs, oder?
Ja genau.

Und du warst mit Henne in Portugal.
Ja, da war Julian ja auch dabei und Valle [Valentin Cafuk]. Aber war ja ein kurzer Trip und es hat voll viel geregnet.

Warst du noch öfter mit Henne unterwegs?
Ich war vorher in Wien mit dabei und hab ihn sonst halt ein paar mal getroffen um Fotos zu schießen. Aber ich muss eben auch zur Schule oder arbeiten. Da hatte ich auch noch kein Auto um immer nach Köln zu fahren.

Apropos Auto, du hast mal eins von Matusch Janota gekauft, oder?
Das war eine crazy Story. Der ist ja auch auf March Skateboards gekommen und hat halt erzählt dass er nebenbei Autos verkauft. Der kauft die, repariert die und verkauft sie weiter. Dann habe ich ihn gefragt und er hatte einen alten Audi A80 in Weinrot für 600 Euro. Ich bin dann zwei Monate mit dem Auto rumgefahren, dann habe ich mit meinem Bruder die Autos getauscht, weil ich mit seinem Kombi nach Frankreich zum surfen gefahren bin und mein Bruder hat mein Auto noch einem Kumpel geliehen und dem ist dann jemanden hinten drauf gefahren und dann war die Karre Schrott. Der Kumpel hat sich dann einen Audi für 300 Euro geholt und die Teile in meinen verschraubt und dann habe ich das auch irgendwie verkauft. [lacht] Für 900!

“Ich habe “Yes” und “No” in den Handflächen tätowiert. Wir haben halt gesoffen und ein Homie von mir hatte eine Maschine.”

Dann hast du noch Gewinn gemacht?
Joa, hat funktioniert.

Du hast gesagt, dass Matusch auf March kam, aber du bist jetzt wieder runter von March, richtig?
Ja, ich habe gequittet weil Jan hat ja auch gequittet und ist zu Robotron gegangen. Jetzt bekomme ich meine Boards und Schuhe vom Attitude Skateshop aus Bremen.

Ich dachte du würdest von Vans Schuhe geflowt bekommen, weil du auch viel mit Henne unterwegs warst?
Achso ne, Henne hat mich nur gefragt ob ich Bock hätte mit Jan mitzukommen, weil wir gehen ja sowieso immer zusammen skaten. Aber Flow bin ich da jetzt nicht.

Was geht sonst so neben Kunstschule und Skaten?
So viel wie möglich reisen. Ich fahr halt jedes Jahr mit ein paar Leuten nach Frankreich und dann die Küste entlang nach Nordspanien um da surfen zu gehen. Einfach Board mitnehmen und Surfbrett und dann gucken wir wo wir bleiben.

Kannst du richtig surfen?
Ich hab vor vier Jahren einen Kurs gemacht und mittlerweile hab ich auch ein eigenes Board und mach das halt wenn’s geht. Also drauf stehen geht auf jeden Fall klar. Geil wäre wenn man so rausschießen könnte aber soweit bin ich leider noch nicht. Natürlich wenn man skaten kann, kann man schon stehen, das ist kein Problem, aber lenken und sowas, da kommst du erstmal nicht klar.

Wie oft gehst du surfen?
Also einmal im Jahr so eine große Tour für zwei Wochen und sonst halt in Sylt, je nachdem wie die Wellen da sind, aber das ist ja wie die Nadel im Heuhaufen. Aber sonst so circa zehn Mal im Jahr vielleicht, leider nicht mehr.

Wladimir Hoppe – Ollie

Ollie

Wie ist es denn mit den Locals? Ich hab gehört Surfer sind teilweise ganz schön garstig.
Auf jeden Fall. Die Locals in Frankreich sind schon ziemlich rough. Ich habe Storys gehört, wo jemandem „Go Home“ ins Auto geritzt wurde, weil er einen Typen gesnaked hat.

Anderes Thema. Henne hat mir erzählt, dass du das Auge von Dylan Rieders Antiquitäten-Laden tätowiert hast? Er meinte du hättest das in der Handfläche.
Ne, ich habe “Yes” und “No” in den Handflächen. Wir haben halt gesoffen und ein Homie von mir hatte eine Maschine und dann hat sich Simon “Moin, moin” mit einem Müllbeutel auf den Arsch tätowiert und ich mir yes und no. Am nächsten Tag waren wir Kanu fahren, das war ziemlich scheiße. Ich musst die Paddel so ganz komisch festhalten, damit die nicht an die Handflächen kommen.

Dafür kannst du das jetzt nutzen, um mit Yes und No zu antworten.
Das war ja die Idee. [lacht] Aber der Gag ist so langsam ausgestorben. Aber irgendwann geht das raus, glaube ich noch fest dran.

Und das Dylan Rider Tattoo hast du gemacht weil du Dylan Fan bist?
Fan würde ich nicht sagen. Also ich habe halt früher viel mit Arne Stein gechillt und das war mein erstes Tattoo. Die Tätowierung ist auch ein bisschen verkackt, das ist voll vernarbt. Aber da kommt noch was drunter, dann sieht’s nicht mehr wie ein schwarzer Fleck aus.

Was macht Arne eigentlich? Ist der immer noch im Dylan Style unterwegs?
Boah, gar nicht mehr im Dylan Rieder Style, komplett anders. War halt irgendwie so eine Phase, manche Bewegungen sahen halt schon arg danach aus. Er hat das auf jeden Fall gefeiert, das kann man nicht leugnen. Aber mittlerweile: helle Jeans, normales Shirt.

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