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Pat Lindenberger Interview

4. November 2016

Pat Lindenberger hat eigentlich schon alles gemacht, hatte genügend Interviews und Videoparts und muss sich längst nicht mehr beweisen – aufhören kann er aber trotzdem nicht. Er ist eben einer von jenen Verrückten, die immer weiter skaten müssen. Deshalb hat er auch mit fast 39 Jahren einen weiteren Part gefilmt, der am Montag hier online geht. Das ist es wohl, was man Leidenschaft nennt.

[Photos: Faby Reichenbach | Interview: Stefan Schwinghammer]

Wie lange hast du an dem Part gefilmt?
Die letzten zwei Jahre immer mal wieder. Mal eine Tour mit Ingo [Bremmes], mal hier was gefilmt mit den Jungs. Gestern habe ich zwei Tricks und eine Line gemacht, weil ich noch unbedingt was austauschen wollte. Deshalb bin ich um elf am Spot gewesen und dann sind wir geskatet bis es um fünf dunkel war. Jetzt ist es OK. Klar könnte man immer weiter austauschen, aber das macht ja auch irgendwann keinen Sinn mehr.

Warum hast du dir den Stress mit einem Part eigentlich gegeben? Du müsstest ja nicht mehr.
Vor allem heutzutage wo die Aufmerksamkeitspanne keine 15 Sekunden überschreitet. Und ja, man muss ja nicht, ich meine man kriegt nichts dafür und zahlt alles selbst – aber das ist eigentlich genau der Grund. Wieso machst du ein Skateheft wo keiner mehr Hefte kauft? Man muss es einfach machen. Man muss immer das machen was die anderen nicht machen, das unterscheidet uns von den “Anderen”. Ich meine, ich muss gar nichts, ich krieg von keinem irgendwas in Form von Reisebudget oder so, dennoch freue ich mich über jedes Stuffpaket! Ich habe schon genug Fotos und Footage in meinem Leben gehabt, aber darum geht es nicht. Das hat Reynolds auch und trotzdem macht er es auch als, was weiß ich, fast Millionär oder Millionär noch. Einfach weil man es gerne macht und weil man Bock drauf hat. Man hat eben den Drive und die Passion was zu filmen, Bock irgendwas mit seinem Homie zu machen, irgendein geiles Projekt oder einfach nur für sich, um sich zu pushen, zu verwirklichen.

Pat Lindenberger

Wallride

Wie ist das Projekt gestartet?
Es hat damit angefangen, dass ich mit Ingo immer mal wieder auf so einem geilen Mallorca, Alicante, Málaga Winter-Trip war. Immer so für fünf Tage und ich meinte dann irgendwann: „Ach komm, Alter. Lass nochmal einen geilen Part machen!“ Dann hat man ein Ziel vor Augen. Der Ingo hat das dann einfach so gemacht wie ich: aus Leidenschaft, Lust und Bock – mit seiner Zeit und seinem Geld. Und dann bin ich natürlich auch motiviert und will ihn nicht hängen lassen und habe mir meinen Arsch aufgerissen. Ich habe mir dann noch die alte Kamera von Torsten Frank gekauft, sodass ich selbst mehr filmen kann und halt immer eine Kamera dabei habe.

Ich finde es geil, dass Ingo das gefilmt hat. Das heißt der opfert seinen Jahresurlaub für die Skatetrips?
Ja, auf jeden Fall! Das ist geil und der hat zwei Katzen, zwei Hunde, zwei Kids, eine Frau und einen Job und trotzdem reißt der sich los und fährt mit mir vier Mal nach Frankfurt oder jetzt zur Premiere nach Hamburg. Das ist ziemlich geil und das hat mich dann auf jeden Fall gepusht. Der macht das unentgeltlich wie ich und genauso bin ich mit dem Zug nach Frankfurt gefahren und auch mal ohne Trick wieder heim, aber das ist alles geil, das ist genau richtig.

Gehst du Parts mittlerweile anders an als früher?
Ne, eigentlich war es am Anfang total entspannt, weil ich gedacht habe, dass ich genau die Tricks auf die ich Bock habe an den Spots auf die ich Bock habe filme. Ich hatte ja kein Zeitlimit. Aber ich hab mich dann zum Schluss natürlich doch gestresst, weil ich gewisse Sachen machen wollte und die Zeit knapp wurde, denn ich habe mir selbst eine Deadline gesetzt.

“Ich muss gar nichts, ich krieg von keinem irgendwas. Ich habe schon genug Fotos und Footage in meinem Leben gehabt, aber darum geht es nicht.”

Hat sich dein Skaten verändert im Vergleich zu früheren Parts?
Ja klar, auf jeden Fall. Früher war es schon mehr irgendwo runterspringen, weil man halt auch jung war. Aber das hat man alles gemacht und ich weiß eh, dass ich keinen besseren Kickflip irgendwo runter kann. Warum soll ich das machen? Ich mache einfach das was mir jetzt liegt, was mir jetzt gerade gefällt an Spots, an Tricks und was ich auch noch nicht geschafft habe. Mir gefällt eine gewisse Art von Skaten und Spots und das bin ich jetzt geskatet.

Was sind das für Spots die dir gefallen?
Zum filmen auf jeden Fall ein bisschen roughere Streetspots, wo ich denke das sieht cool aus, hat einen guten Background, guten Belag und ist vom Look her geil und an dem Spot waren noch keine 20 anderen Leute mit 100 Tricks. Also richtige Streetspots. Im Isle Video fahren die auch die Londoner Spots und quälen sich da ab. Da habe ich gedacht: „Ich will auch hier die normalen Sachen fahren und nicht nach China oder Barcelona fliegen und dann die langweiligen Sachen skaten, wo es aussieht wie auf einem Skateplaza.“

Was hat dich denn außer dem Isle Video noch inspiriert?
Mich flashen eigentlich entweder ganz alte Sachen, alte Matt Hensley oder Ricky Oyola Parts, oder aktuelle Sachen wie Isle, oder Emerica flasht mich auch immer. Vor allem die Leute in meinem Alter, Reynolds, Greco, Ellington, die richtig Gas geben und geile Parts raushauen. So ein Greco Part, wie der dann so seine Psycho Nummer abzieht und sich einschenkt, finde ich dann schon ziemlich cool. Das stoked mich auf jeden Fall – oder auch Rocky Filme.

Pat Lindenberger

Rocky Filme?
Ja klar, das motiviert manchmal mehr als so ein langweiliges HD-Dronen-4K-Skatevideo. Das hat ja nichts mit meiner Realität zu tun, so skate ich nicht. Was soll ich mir denn da angucken, wie die in Dubai keine Ahnung was machen? Das juckt mich einen Scheiß. Wenn ich dagegen sehe, wie Nick Jensen sich bei schlechtem Wetter in London einen Tailslide abquält, dann weiß ich, „OK, das war richtig krass“. Das find ich dann auf jeden Fall geil. Und Rocky ist die Underdog Story schlechthin, die fiktive Figur die alles gibt, und immer noch ne Runde geht.

Glaubst du es lohnt sich überhaupt noch Full Length Videos zu filmen oder ist das Thema durch?
Ich glaube das wird schon weitergehen. Es gibt immer Leute die Bock haben sich ein richtiges Full Length reinzuziehen. Wie gesagt, danken tut es dir keiner. Auch bei Emerica hoffe ich, dass die Leute deren Skateschuhe kaufen und die ein bisschen pushen, aber rechnen tut es sich nicht. Aber es gibt immer noch weiter geile Idealisten, die machen ihr geiles Video und bringen das raus, wie ein GX Video, Polar, Emerica, und Isle Video. Der Rest fickt durch dein Hirn in 15 Sekunden und du kannst das gar nicht verarbeiten: Du kannst dir gar nichts denken, kannst dir kein Lied und keinen Trick merken. Das ist gerade alles so schnell und einfach so ein Brei. Alle laufen rum und gucken auf ihre Handys.

Steht jetzt ein Video mit deiner Crew als nächstes Projekt an?
Ja genau. Wir haben jetzt einen Rechner gekriegt und die ganze Footage mal zusammengepackt und geordnet. Jetzt über die Wintermonate wird es nach und nach zusammengebastelt. Dann suchen wir uns jemanden der das ganze schön editiert und dann hauen wir das auf jeden Fall noch raus. Da liegt der Fokus dann mehr auf den Boys, aber ich hab auch Sachen drin.

Wer ist denn bei der Noname-Crew alles dabei?
Nino Schöneweihs, Max Geisinger und Fabio Schöneweihs, der auch das Parallel Heft macht.

“Ich mag lieber eine kleine, tighte Crew mit der ich auch mal über was Anderes reden kann als Skaten, anstatt mit 20 Leuten so partymäßig rumzuhängen und Eistee zu trinken.”

Wie hat sich die Crew ergeben?
Das hat sich damals durch das arbeiten bei Mantis und zusammen skaten gehen eingebürgert. Ich mag auch lieber eine kleine, tighte Crew mit der ich auch mal über was Anderes reden kann als Skaten, anstatt mit 20 Leuten so partymäßig rumzuhängen und Eistee zu trinken. Das war ich nie und da habe ich auch keinen Bock drauf. Ich gehe mit meinen Jungs skaten und wenn ich die anderen beim Skaten sehe grüße ich die. Aber ich bleibe lieber im engeren Kreis, das schockt mehr für mich.

Du warst ja auch mit Mark Frölich in Barcelona unterwegs, wie war das mit ihm zum filmen?
Hart. Wie gesagt, ich fahr einfach wie ich fahre, aber ich mag den Mark und ich mag auch seine Art und wie der da rangeht. Ich kann das auf jeden Fall verstehen. Der ist motiviert und pusht und nimmt dich an das andere Ende der Stadt mit. Der gibt genauso viel wie er nimmt. Also wenn du sagst, „Ich will jetzt zwei Stunden mit der Bahn fahren und ein Wallie machen.“ Dann setzt der sich mit dir zwei Stunden in die Bahn und filmt dich fünf Stunden beim Wallie und sagt dann, „Ich will zu einem 15er Rail auf einem Berg.“ Dann kommst du halt auch mit. Das ist eigentlich ganz geil, denn der hat jetzt auch keinen Skate Lifestyle, genau wie ich. Der hat den Fighter Lifestyle und stretcht sich, trainiert und macht sich fit. Das ist auch genau mein Ding. Wir skaten halt unterschiedlich und er ist natürlich krasser. Vom Vibe her ist das richtig gut. Und Steve [Forstner] hat halt bisschen mehr so den Hippie Vibe. Der ist mehr easy-going. Aber das ist auch geil, weil der lässt es halt einfach so passieren. Der geht raus, hat seine Kamera im Rucksack und macht dann nebenher einen dicken Trick, ganz entspannt. Ich besuche beide gerne in Barcelona.

Thema stretchen, heißt das du machst das auch regelmäßig?
Ja, eigentlich jeden Tag. Jeden Abend auf jeden Fall und vor dem Skaten richtiges Warm-up. Das ist man sich auch schuldig. Ich will ja noch ein bisschen weiter skaten.

Pat Lindenberger – No Comply

Straight No Comply

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