Solo

Cyrus Bennett – Everyday skating

3. Dezember 2016

Select Language: Englisch

Nachdem Skateboarding jahrelang von hauptsächlich in den 90ern gegründeten Companies aus Kalifornien dominiert wurde, drehte sich irgendwann der Wind und lokale Crews und kleine Brands gaben plötzlich die Richtung an – viele davon beheimatet an der Ostküste. Sie brachten eine ganz neue Attitüde und auch Ästhetik mit, was Filming, Videos, Designs, Klamotten und Skaten betraf, und etablierten neue Namen. Einer davon ist Cyrus Bennett.

[Photos: Ben Colen, Zach Malfa-Kowalski | Interview: Stefan Schwinghammer]

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Backside Smithgrind Gap Out | Photo: Colen

Dein Name schwirrte schon eine Weile in der Skateszene rum, aber was denkst du, war der entscheidende Schritt, der dich dahin gebracht hat, wo du jetzt bist?
2013 hab ich Johnny Wilson getroffen und seine Videos haben im Netz ziemliche Popularität erreicht, das hat uns alle bekannter gemacht. Seit einer Weile lebe ich nur von Skaten, das ist jetzt quasi wie ein Job. Deshalb hab ich versucht mehr Sachen rauszubringen, aber ich hab bis jetzt nicht mal einen Part gefilmt. Ich hab für das 917 Video gearbeitet, aber ich weiß nicht, wann das rauskommt. Es gibt hier und da Sachen von mir von Nike Trips oder was auch immer. Nachdem Skaten jetzt mein Job ist, kriegen die Leute halt auch mehr von mir zu sehen.

Du hast viel Footage in Clips oder auf Instagram und hattest irgendwie auch Parts, aber eben mehr in Friends-Videos. Nicht wie früher, als große Videos rauskamen und man einen Part drin hatte. Was denkst du darüber, wie das heute so läuft?
Ich find’s cool. Vor den Internet-Clips kanntest du die Leute nur aus ihren Parts, für die sie hart gearbeitet haben. Siehst du sie aber live skaten, unterscheidet sich das stark davon. Heutzutage sieht man eine natürlichere Seite, vor allem so wie Johnny filmt. Die meisten Sachen von ihm zeigen einfach, wie wir jeden Tag skaten. Wir probieren da keine krassen Sachen. Naja, also in letzter Zeit versuch ich für einen klassischen Part zu filmen. Das fällt mir nicht leicht und ist eine Herausforderung, aber mir hat schon immer der Gedanke gefallen an etwas zu arbeiten, auf das man stolz ist und für das man sich pusht.

Gehst du das Filmen für einen Part anders an?
Nö, also es dauert halt länger. Mit Johnny hast du nach ein paar Monaten ein Video fertig. Willst du aber etwas rausbringen, von dem du richtig gehyped bist, ist es schwieriger die Footage zu filmen. In den meisten der Clips sieht man uns einfach skaten, ohne dass wir uns überlegen, was wir machen oder welche Spots wir skaten wollen. Es verschlägt uns einfach irgendwohin und da filmen wir dann.

“Es verschlägt uns einfach irgendwohin und da filmen wir dann”

In deinem Transworld Interview hast du gesagt, dass du mit The End und Misled Youth aufgewachsen bist. Zeigt sich das in deinem Skaten?
Als ich jünger war, war das so weit weg, dass es unerreichbar schien. Jetzt bin ich an einem Punkt, wo ich solchem Skaten gerecht werden möchte. Die Sachen fand ich früher krass und sie sind es immer noch. Flip Sorry –für mich wird das immer das Coolste sein. Die Jungs haben abgeliefert. Das war eine andere Generation. Heutzutage hast du die Street League und jeder skatet krass. Ich finde es für mich am besten, das gar nicht zu beachten oder mich zu vergleichen, denn vom technischen Aspekt her kann man da eh nicht mithalten. Aber mir haben technische Skater auch nie gefallen. Ich mag kraftvolle Skater wie Jeremy Wray oder Andrew Reynolds… All die Videos, mit denen ich aufgewachsen bin, spornen mich auf jeden Fall an mein Bestes zu geben.

Wie soll dein Skaten sein?
Die Leute, die mir gefallen haben, haben Sachen immer etwas anders gemacht, aber mit einer klassischen Note. Ich mag keine Trends oder neue Tricks, mir gefallen klassische Tricks mit Style und Power. Ich skate einfach so, wie ich kann und wie es mir gefällt, und versuche nicht andere Leute zu imitieren. Denn es klappt nicht gegen deine Veranlagungen zu skaten.

Thema Trends: Du bist in einigen der angesagtesten Crews – Johnny Wilson, Quartersnacks, 917. Hat sich dein Skaten dadurch verändert, dass Kids auf der ganzen Welt diesen Style nachahmen?
Ich glaube nicht. Mir ist es zwar bewusst, aber ich denke nicht zu viel darüber nach, sonst wird es seltsam.

Cyrus Benett Ollie
Ollie | Photo: Malfa-Kowalkski

Aber ist es nicht komisch Leute zu sehen, die genau so skaten oder sich kleiden wie in den Clips, in denen du drin bist?
Ja, ist es, aber Kids kaufen eben Sachen, weil jemand, den sie mögen, die fährt. Davon lebt die Industrie. Deshalb wird man gesponsert, weil eine Company erkennt, dass du vermarktbar bist. So ist es eben und das ist okay. Ich find das nicht schlimm, ich find’s eher witzig.

Ist der Hype um New York mittlerweile zu groß?
Yeah, viele Leute ziehen her und es gibt so viele Skater. Skaten ist ziemlich trendy und man sieht viele, die in ihrer Jugend geskatet sind und jetzt merken, dass es cool ist, mit den ganzen Celebrities und dem Fashion-Ding, und deshalb rollen diese alten Typen jetzt wieder rum – das ist irgendwie nervig. Andererseits ist es auch cool, weil das Skaten mehr Aufmerksamkeit beschert und Leuten wie mir mehr Möglichkeiten.

Ist es schwerer Tricks zu filmen, weil ganz Manhattan ABD ist?
Ja schon, aber das ist auch Einstellungssache. Wenn du zu lange hier bist, verliert vieles seinen Reiz. Ich finde nicht, dass alles ABD ist. Klar gibt es die bekannten Spots, aber wenn du die Augen offen hältst, sind da auch noch andere. Es ist gut viel aus der Stadt rauszukommen, dann sieht man die Dinge mit neuem Blick, wenn man zurückkommt.

Es scheint, als wärst du immer mit 15 Leuten unterwegs. Ist es nicht schwierig mit so einer großen Crew loszuziehen?
So ist das halt bei uns. Es ist kompliziert vorwärts zu kommen. Es ist schwierig einen Trick zu probieren, denn du willst ja nicht, dass Leute auf dich warten müssen. Unter den Umständen ist es für mich echt schwer meinen Part zu filmen, denn harte Tricks zu versuchen braucht Konzentration und das ist nicht einfach, wenn viele Leute dabei sind. Alles, was man von uns im Internet sieht, ist nur go-with-the-flow-skating. Nichts Ernsthaftes. Ich will keinen Trick versuchen und dabei ausrasten, wenn ein Haufen Leute dabei sind. Manchen macht es nichts aus, harte Sachen, bei denen sie sich konzentrieren müssen, zu probieren, wenn viele Leute dabei sind. Manchmal mach ich das auch, aber für gewöhnlich will ich einfach Spaß haben.

“Viele der Companies, die in meiner Jugend cool und originell waren, sind mittlerweile scheiße geworden”

Wie ist das eigentlich in New York, mit dem ganzen Verkehr und den unzähligen Fußgängern?
Wenn’s ums Filmen geht, nerven viele Dinge. Du wirst überall gekickt, Leute stehen im Weg, überall passiert irgendwas. Es ist nicht möglich was zu planen. Normalerweise stress ich mich wegen sowas nicht und schau einfach, wie sich der Tag entwickelt, so entstehen die besten Sachen. In L.A. planst du, denn wenn du einen Trick machen willst, musst du mit dem Auto hinfahren. In New York ist es das nicht wert. Es gibt zwar Leute, die so skaten, aber das macht keinen Spaß.

Du hast schon deinen 917 Part angesprochen. Wann kommt das Video?
Keine Ahnung, es sollte eigentlich schon vor einem Jahr kommen. Mein Kumpel Logan [Lara] schneidet es, also wird es wahrscheinlich noch ewig dauern. Vielleicht kommt es auch gar nicht und ich bring nur meinen Part raus. Ich hab das meiste mit Johnny gefilmt und er hat die Sachen an Logan geschickt, der einige Sachen ausgewählt hat, die ich nicht genommen hätte. Das bringt mich dazu, dass ich am liebsten selbst schneiden würde. Er hat mir die Timeline gezeigt und ich hab gefragt: „Warum hast du das reingenommen und das hier nicht?“ Es ist dämlich und nervt, aber ich wollte halt schon immer einen Part rausbringen und der soll dann nicht scheiße sein. Andererseits will ich auch kein riesen Brimborium drum machen, ich will das halt für mich.

Vor 917 warst du auf Polar, aber nur für ein paar Monate. Was war los?
Ich kam aufs Team, weil ich Pontus [Alv] getroffen habe und er mich gefragt hat. Außer ihm kannte ich kaum jemanden und auch ihn kannte ich nur flüchtig und dann wurde es irgendwie seltsam. Wir müssen das jetzt nicht groß ausbreiten, aber es ist alles cool. Ich mag alle im Team und Pontus ist echt cool. Es war einfach zu der Zeit nicht das Richtige, es war zu fremd. Nur über Skype zu kommunizieren ist schwierig. Auf eine andere Art hätte es vielleicht klappen können. Dann kam Logan auf 917 und wurde Teammanager und meinte: „Fahr doch für 917“, und ich hab ja gesagt. Gleichzeitig mit mir kamen auch Aidan [Mackey] und Max [Palmer] aufs Team und das hat sich sehr natürlich angefühlt, weil es alles meine Freunde waren. Außerdem wusste ich, dass Alex [Olson] mich nicht zu irgendwas zwingen wird, und Logan ist sowieso der Entspannteste, wenn es darum geht, Sachen zu machen – wie man sieht. [lacht] Es herrscht absolut kein Druck, sondern fühlt sich eher wie eine Skatecrew an, nur eben mit eigenen Boards. Irgendwie witzig, dass Leute tatsächlich die Sachen kaufen oder 917 mögen, schließlich haben wir bisher kaum was gemacht.

Es ist eine eher unkonventionelle Company.
Yeah, es ist eine Crew an Hängern. Aber ich mag, dass die Leute das mögen.

Wie ist Alex als Boss? Wie ist es mit ihm zu arbeiten?
Ich hab jetzt noch nicht zusammen mit ihm an was gearbeitet, aber er ist cool, ich mag ihn. Er ist ein witziger Kerl. Er will ständig neue Sachen lernen und umsetzen. Er ist ziemlich motiviert, aber auch sehr zerstreut und versucht vieles auf einmal zu machen. Wir reden nicht viel darüber, was die Company betrifft. Er macht, was ihm gefällt, und ich mag das meiste davon. Alles ist ziemlich schnörkellos und normal. Es ist nicht so ernst, was mir gefällt, weil Skateboarding gerade ziemlich seltsam ist.

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Boardslide | Photo: Malfa-Kowalksi

Was ist seltsam?
Ich mein damit Boardcompanies – und Schuhcompanies sind halt, was sie sind – sie sind heutzutage die tonangebenden Firmen. Ich finde, den Boardcompanies fehlt es an Originalität. Ich behaupte jetzt nicht, dass 917 die Sache neu erfindet, aber viele der Companies, die in meiner Jugend cool und originell waren, sind mittlerweile scheiße geworden. Nicht dass deren Teams scheiße wären, sondern einfach die Grafiken und der ganze Vibe vieler Brands sind so abgedroschen und dämlich. Sie müssen wohl einen bestimmten Markt bedienen. Früher war Skaten so Underground, dass sie nur Kids gefallen mussten, die es sowieso schon begriffen hatten. Heutzutage versuchen sie eine breitere Masse anzusprechen, aber das sieht für mich einfach whack aus.

Du sagst, Alex macht das meiste alleine. Hilfst du nicht bei Designs, immerhin hast du das studiert?
Ja, aber ich glaube, er will das für sich machen und ich möchte wegen solcher Sachen nicht mit jemandem streiten. [lacht] Das ist seine Sache und ich lass ihn machen.

Du bist wohl auch so gut ausgelastet. Wie ist Skaten als Job?
Es sind jetzt sechs Monate, in denen ich nur geskatet bin. Vor einem Jahr kam ich auf Nike. Davor hab ich nervige Jobs gemacht.

Wieso hast du keine Karriere als Produktdesigner eingeschlagen?
Keine Ahnung, ich hasse es einfach für andere zu arbeiten. Ich hab ein Problem mit Autorität. Nach der Ausbildung hatte ich sechs Jobs in sechs Monaten. Ich wurde immer wieder rausgeworfen oder habe gekündigt. Ich hab es überall gehasst. Daran muss ich wohl noch arbeiten. [lacht] Jetzt hatte ich einfach Glück. Mir gefällt es jeden Tag zu skaten, ich kann durch die Welt reisen und ich mag es zu chillen. Drei Fliegen mit einer Klappe. Aber du darfst auch nicht Däumchen drehen oder abdriften. Wenn du nur skatest, kann sich dein Hirn in Brei verwandeln. So hab ich mich den ganzen Sommer über gefühlt. Ich dachte: „Scheiße, ich bin durch.“ Es war nur skaten, saufen und wieder skaten. So läuft das eben und da muss man wieder auf ein normales Niveau runterkommen. Jeder muss da für sich bestimmte Routinen finden.

“Wenn du nur skatest, kann sich dein Hirn in Brei verwandeln”

Im 917 Van sind wenigstens viele mit Uni-Abschluss, da kann man intellektuelle Gespräche führen.
So weit würde ich jetzt nicht gehen, aber wenigstens ist keiner total daneben. Alle sind meine Freunde und gute Jungs und alle waren auf dem College. Also Alex und Logan nicht, die haben die Schule abgebrochen. Das ist so eine komische Geschichte mit den West Coast Skatern, die brechen alle ab. Da, wo ich herkomme, haben sogar die verrücktesten Kids die Schule beendet, die hätten dich auch gar nicht abbrechen lassen, sondern bringen dich irgendwie durch. Aber an der Westküste, in der Generation von Alex, weiß ich gar nicht, ob da überhaupt jemand die Highschool fertig gemacht hat

Immerhin hat es dafür gereicht, ein Label wie Bianca Chandôn hochzuziehen. Ich hab mich gefragt, ob Bianca die Rechnungen für 917 zahlt und Alex das nur zum Spaß macht?
Ich glaube, am Anfang war das so, aber dann lief 917 ziemlich gut. Allerdings wurde er von seinem Geschäftspartner verarscht. Das war eine echte Scheiße. Sechs Monate konnte er nichts machen und hat sich nur um juristische Dinge gekümmert, um diesen Typen los zu werden. Das hätte der Sache fast das Genick gebrochen, aber er wollte das unbedingt weiter durchziehen und hat deshalb einen Haufen Geld für einen Anwalt ausgegeben. Jetzt sind die Bretter zurück in den Shops. Aber ja, ursprünglich ging es um Bianca und die Klamotten und das hat 917 finanziert und er ist nicht davon ausgegangen, mit dem Skatekram Geld zu machen. Aber die ersten Sachen von 917 waren ziemlich erfolgreich. Danach gab es eben diese Management-Probleme und dadurch hat er einiges an Geld verloren und musste diesen Typen loswerden und einen neuen einstellen.

Dann warte ich jetzt auf das Video.
[lacht] Möglicherweise wartest du da noch eine Weile.

Cyrus BenettPortrait | Photo: Colen

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