Solo

Marlon Lange – Friendly Filmer

Das Interview zum "Let’s Get It" Video

Man könnte ja mal was machen – dass ist nicht der Ansatz von Marlon Lange. Er sieht das wie Yoda und lässt es entweder bleiben – oder macht es richtig. Für das “Let’s Get It” Videoprojekt hat er deshalb direkt in eine neue Kamera investiert und zusammen mit Fabian Lang, Paul Zenner, Ben Rappel, Juli Geißinger und Vali Erlmeier alle Münchner Spots abgeklappert, um sich dann abends nach der Uni noch hinzusetzen und das Video zu schneiden. Nun steht die Premiere bevor und wir haben Marlon und Kollegen Paul Zenner ein paar Fragen gestellt.

Friendly Filmer

[Photos: Conny Mirbach | Interview: Stefan Schwinghammer]

Warum seid ihr mit dem Video eigentlich schon vor der Premiere fertig? Das ist doch völlig untypisch für Skateboarder?
Paul: Das spiegelt unseren Charakter wieder, weil wir einfach so motiviert sind.

Marlon: Bei mir hat sich das wegen der Uni so ergeben, dass ich da am Abend immer ranklotzen musste. Wobei ganz fertig ist es noch nicht, ein bisschen Feinschliff braucht es noch.

Ich hätte gedacht, dass es sich gerade wegen Uni noch mehr zieht.
Marlon: Ich hab ja einen Plan von der Uni, wann was ansteht und konnte abschätzen, wann ich abends Zeit hab und bin dann in die Verlängerung gegangen.

“Das Problem war einfach, dass wir in den vergangengen Jahren schon an jedem erdenklichen Spot in München waren und jetzt ging es wieder von vorne los.”

Wie ist das ganze Projekt überhaupt entstanden?
Paul: Wir haben Anfang des Jahres angefangen und haben gar nichts geplant. Wir sind einfach losgezogen und haben gefilmt. Am Anfang waren es Marlon und ich und dann ist Fabi nach einem Monat dazugekommen. Der war seit Ewigkeiten nicht mehr richtig Streetskaten und filmen und hat dann richtig Bock bekommen.

Marlon: Ich hab irgendwann gemeint, ich hätte Bock einen Clip zu schneiden und dann meinte Fabi: „Ne, den Trick würd ich gern saven, lass doch lieber ein Video machen“. Dann hab ich gesagt, klar, wenn ihr das Vertrauen habt, dann mach ich mal.

Hast du dir nicht auch extra für das Video eine Kamera gekauft?
Marlon: Jein, wir haben letztes Jahr Sachen mit der VX gemacht und haben dann überlegt, HD ist schon auch ganz geil. Aber warum sagen alle immer, dass HD scheiße ist? Weil sie nicht wirklich einen Zoom haben. Ich hab dann gesagt, wenn HD, dann richtig und hab mir Anfang des Jahres die HVX geholt. Das war ein Motivator, weil dann alle gemerkt haben, dass die Teleshots durch den Zoom viel dynamischer kommen.

16_11_07_letsgetit-0151

Ist es nicht anstrengend mit der zu filmen, weil das so ein Klotz ist?
Marlon: Ich hab das ein paar Mal, z.B. auf Prag Trip, gemacht die im Rucksack mitzunehmen und da war am zweiten Tag mein Rücken schon so durch, dass wir auf das Auto angewiesen waren. Dadurch kann man aber auch mal weiter rausfahren und wir sind eh viel in den Randbezirken Münchens unterwegs.

War das eine bewusste Entscheidung die Innenstadt Spots zu meiden?
Paul: Das Problem war einfach, dass wir in den vergangengen Jahren schon an jedem erdenklichen Spot in München waren und jetzt ging es wieder von vorne los. Es werden ja nicht so viele neue Spots gebaut und wir sind dann wieder die alten gefahren. Dann hat man die wieder satt gehabt und ist rausgefahren und ein paar Monate später hatte man wieder eine Idee für einen Spot in der Stadt und dann hat sich das so entwickelt. So einen Flatrailspot, der da immer schon war, sind wir nie geskatet. Dann sind wir den einmal geskatet und plötzlich sind wir jede Woche hingefahren, weil jeder Bock und Ideen hatte. Was auch cool war ist, dass wir viele alte Spots geskatet sind, aber halt auf eine andere Weise.

Marlon: Und bei anderen, wie der Ottobrunner 8er Hubba, waren wir noch nie.

War das die Hubba wo der Bluntslide gefallen ist?
Paul: Ne, die ist im Olympiadorf. Ich bin da im Winter vorbeigeradelt. Ich war auf dem Weg zu meiner Freundin und fahr dabei gerne durch Seitenstraßen und schau nach Spots. Die Hubba kannte ich zwar schon, Stefan Lehnert hatte da 5-0 und Kilian Heuberger Noseslide und die hat mich schon immer gereizt, aber die war geskatestoppt. Dann hab ich mir eine Eisensäge geholt und bin in der Nacht hin. Danach bin ich dann aber nicht mehr hingefahren und jetzt war das die letzte Session für das Video und ich hab gesagt, lass hinfahren und es hat spontan geklappt.

“Das Coole am Marlon ist, dass wenn du sagst, ich hab für diesen Spot am Arsch der Welt irgendeine komische Idee, dann fährt er trotzdem mit dir hin.”

Und der Smithgrind von Fabi, wie kam der?
Marlon: Oh, das grüne Rail ist mittlerweile unser Hassspot. Da hab ich extra noch Bondo gekauft, weil da ein kleiner Crack war. Danach hat Fabi den 50-50 im fünften Versuch gemacht. Und dann, als wir das letzte Mal mit Fabi für das Video gefilmt haben, sind wir nochmal für den Smithgrind hin. Zum vierten Mal und mit 56er Wheels und auf einmal ist er weitergefahren.

Paul: Das war auf jeden Fall ein Kampf. Ich hatte da ja mal einen Feeblegrind und war dreimal da und hab gekämpft. Jetzt konnte ich so mitfühlen. Das Rail sieht perfekt aus, aber es ist viel zu dick um richtig zu loggen. Man sieht auf der Footage auch wie er den durchgekämpft hat.

Marlon: Das waren auch die Hauptspots mit dem meisten Psychokrieg.

Trotz Psychokrieg hat Fabi im Interview [SOLO #14, Anm. d. Red.] erzählt, dass er durch diesen Part wieder so richtig Bock auf Streetskaten gekriegt hat. Wie habt ihr den denn motiviert bekommen?
Marlon: Er hatte letztes Jahr halt nicht so viel Zeit, weil er ein Praxissemester hatte und auch noch in der Arbeit eingespannt war. Dieses Jahr hatte er wieder mehr Zeit und er ist auch immer Street gefahren, aber es haben vielleicht die Leute gefehlt, die die gleiche Motivation hatten wie er und nicht den Tag im Skatepark verbringen wollten.

Paul: Das Coole am Marlon ist, dass wenn du sagst, ich hab für diesen Spot am Arsch der Welt irgendeine komische Idee, dann fährt er trotzdem mit dir hin. Der fragt da nicht lange nach, ob sich das lohnt, sondern wir machen das einfach. So sammeln sich die Clips und bei Fabi ist dadurch der Stein ins Rollen gekommen und dann kriegst du auch Lust das zu Ende zu bringen. Am Ende hatte er eine Liste mit seinen Endgegner Spots.

Marlon Lange

Wieviele Endgegner konnte er niederringen?
Paul: Fünf auf jeden Fall und ich glaube das waren alle.

Wie sind denn die anderen Jungs an Bord gekommen?
Marlon: Der Ben war auch von Anfang an dabei, der hatte dieses Jahr nur ziemlich Pech mit Verletzungen, hat sich drei Mal die Hand gebrochen und jetzt die Schulter abgesplittert. Deshalb hat er nicht die Footage, zu der er eigentlich im Stande wäre. Juli und Vali sind die SHRN Couchkids, die machen auch ihr eigenes Video. Dann hab ich die gefragt, ob die nicht auch Bock haben, weil ich die ganzen Münchner U-20 Kids featuren wollte, die Generation nach uns.

Was stand dem Video eigentlich mehr im Weg, die Nächte im P1 oder in Robinsons Bar?
Marlon: [lacht] Ich glaub das ist ein fließender Übergang, aber das hat es nicht verzögert, das hat es nur besser gemacht. [lacht]

Paul: Wir konnten nur nicht am Sonntag skaten gehen, weil Marlon da keine Zeit hatte…

Marlon: [lacht] Aber am Ende ging das schon, als es nochmal eng wurde mit Tricks.

Wie war das überhaupt einen Part zu filmen, wenn man gleichzeitig Filmer ist?
Marlon: Es ist schon was Anderes, wenn man erst zwei Stunden die Anderen filmt und dann noch selber was versucht. Man nimmt dann eher was man kriegt, aber ich fand es eigentlich ganz gut, denn wenn man filmt, wird man warm. Es war schon ein bisschen anstrengend und manchmal muss man sich auch zurücknehmen, aber ich hatte oft auch einfach Bock drauf mich hinter die Kamera zu stellen. Damit der Skater auch das Vertrauen hat, dass das gut wird. Wenn ich da nebenher noch versuche selbst einen Trick zu machen, dann wird das nix.

Obwohl das SHRN Video gefühlte zejn Jahre in der Mache ist, seid ihr trotzdem früher fertig geworden – mit SHRN Fahrern drin. Was bedeutet das für das SHRN Video?
Marlon: Die filmen ja VX und wir haben extra HD gemacht, damit man sich nicht in die Quere kommt.

Paul: Ich weiß auch gar nicht, wieviel Footage ich darin hab. Der Marlon hat uns gegen Ende immer den Footage Stand geschickt und man konnte sehen was noch fehlt. Es geht ja schnell dass man denkt, man hätte einen ganzen Part zusammen, hat aber nur 1:30. Beim SHRN Video könnte ich 30 Sekunden haben oder auch zwei Minuten. Das ist das Problem bei VX, dass du nicht sofort die Footage am Start hast.

Marlon: Wir haben auch gesagt, dass wir nur dieses Jahr Zeit haben und haben gefilmt, ohne dass jemand wusste was wir machen. Erst im September haben wir das bekanntgegeben und gesagt, Premiere ist Ende des Jahres. Wir hatten keinen Bock noch einen Sommer zu filmen. Wir haben jetzt was wir haben, damit hat das Video wohl auch ein paar Lücken, aber das war uns egal. Wir haben auch Wert auf einen Einheitslook gelegt, weil wir hauptsächlich in München unterwegs waren. Wir waren noch in Prag, Wien und zwei oder drei Mal in Stuttgart, das war’s. Wir sind jetzt nicht nach Barca gejettet um noch schnell Footage zu sammeln. Dadurch passt die Footage aber auch vom Look her zusammen und du hast nicht plötzlich Palmen im Hintergrund. Wenn es jetzt nicht genug Footage geworden wäre, hätten wir halt ein Mixvideo gemacht, aber man hat ja auch selbst den Anspruch, dass man einen Part haben will. Unsere Generation, die mit VHS groß geworden ist, sieht einen Part noch als das, wo man hin will.

Marlon: In erster Linie haben wir das Video für uns gemacht und es ist auch das erste das ich gemacht habe und hat deshalb wohl auch Fehler und alles, aber im Endeffekt geht es auch darum, dass man was macht und nicht immer nur sagt, man könnte ja was machen.

16_11_07_letsgetit-0161

Go top