Solo

Schund Crew Interview

Auf ein Sterni mit der Schund Crew über Erniedrigungen, Schubkarren Skaten und Tina Twaika.

Die Skype Verbindung baut sich langsam auf und die erste Frage, wie bei jedem Telefonat über dieses Programm ist die erste Frage: “Hört ihr mich?” Als das Bild sich dann aufbaut sitzen mir, zwischen Sternis und einigen Spaßzigaretten eine handvoll sympathischer Jungs gegenüber. Allerdings auf dem Kopf. Naja, verstehen tun wir uns trotzdem, denn der Bande geht es nur um den reinen Spaß am Skaten.
Wir haben uns mit den Schundbrüdern über den alltäglichen Schmutz in den Straßen Berlins unterhalten. Hier erfahrt ihr mehr zum Entstehungsprozess ihres Full Length “Mixtape”, “Betteln at the Bänke” und Skatebetty Nummer 1 Tina Twaika.

[Interview: Konstantin Hehl | Fotos: Fabian “Taube” Tegeler; Bo]


SCHUNDSticker

Erzählt mal, wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt? Seid ihr echte Berliner oder Wahl-Berliner?

Niels: Wir sind fast alle zugezogen. Aber es gibt auf jeden Fall ein, zwei Leute in der Crew, die in Berlin geboren sind.

Chris: Es gibt zwei Ur-Berliner. Der eine ist Dirk, der mittlerweile Vater ist und der zweite ist Niels, der zwar Schwabe ist aber irgendwie auch Berliner.

Also habt ihr euch gesucht und gefunden als ihr dann alle nach Berlin gezogen seid?

Niels: Das war eigentlich ganz zufällig. Wir haben halt immer an den Bänken abgehangen und geskatet. Wie das halt so ist, lernt man dann Leute kennen und irgendwann ist daraus die Gang geworden.

Chris: Ich kann für mich beanspruchen, dass ich Niels an den Bänken kennengelernt hab, Monchi an den Bänken, Moritz, Simon und ja fast eigentlich alle. Obwohl Herrig hab ich auf ‘ner WG-Party kennengelernt. Wir sind dann direkt am selben Abend noch von der Oberbaumbrücke in die Spree gegapt und haben direkt einen drauf gemacht.

Seid ihr noch viel an den Bänken und ist das euer Home Spot?

Chris: Ja. Nein!

Niels: Schon ein bisschen weniger als früher irgendwie, aber man ist schon noch viel dort. Aber meistens nur zum abhängen. Zum Skaten sind wir halt mehr unterwegs an Streetspots. Wenn wir an den Bänken zum skaten sind, sind wir eigentlich immer schnell am DIY Dogshitspot, der direkt um die Ecke ist.

Chris: Die Curbs sind jetzt auch wie ‘ne Eisfläche. Wenn du du mal rüberrutscht… – abgesehen davon bin ich schon seit 3 Jahren nicht mehr auf diese Bänke gesprungen. Früher hatten die noch so Rillen, in denen man perfekt einloggen konnte und es war irgendwie geiler.

Wolltet ihr euch mit „Betteln at the Bänke“ so ein bisschen den Spot zurückholen? Wie kam es zu der Idee?

Chris: „Betteln at the Bänke“ ist eigentlich entstanden, weil Bo, Shorty und Tina die Idee hatten so ‘ne Hütte aus alten Boards zu bauen, die dann am Go Skateboarding Day auch an den Bänken gestanden hat. Die ganzen Boards und die Spenden sind dann später zu Louis Taubert und seinem Pigeon Plan Projekt gegangen.

Niels: Wir haben 150 € gesammelt. Aber ursprünglich ging es nur um das dumme Wortspiel. Das war halt wieder eine von Taubes Ideen.

Betteln at the Bänke
Jetzt wo Taube nicht da ist… Stiftet er euch mit seinen Ideen zu solchen Schund an?

Niels: Taube hat auf jeden Fall immer viel geilen Scheiß gemacht. Mit seinen Fotos hat es auf dem Blog auch angefangen. Den haben wir vor ungefähr vier Jahren gestartet und ursprünglich war das einfach so ein Blog, wo wir unseren Stuff hochladen konnten. Der eine hat halt Fotos gemacht und der andere was anders. Aber Taube hatte auf jeden Fall die Idee dazu. Das wurden dann einfach immer mehr, die da Bock drauf hatten.

Chris: Aber du hast schon Recht. Taube ist der Schundgott auf jeden Fall. Es hat zwar mit uns allen angefangen und die ganzen Jungs sind der Schund. Taube ist einfach Taube. Der hat halt einfach immer so dumme Ideen, aber die sind dann so dumm, dass es alle flasht. Der ist halt so ein Charismat, du verzeihst ihm auch, dass er den ganzen Tag kippen bei dir schnorrt.

Und gerade brütet er eine neue dumme Idee aus?

Chris: Taube ist aber leider nicht am Start, weil wir vor zwei Wochen wieder ins Chalet wollten. Wir sind wieder an der Mauer hochgeklettert und der hat sich auf der anderen Seite so 4 – 5 Meter in die Tiefe geschmissen. Normalerweise kannst du dich da an so ‘nem Baum lang hangeln, aber Taube war so mega dicht. Der ist dann auf so ‘nem Metallgitter gelandet, das für ihn anscheinend so aussah wie Laub. Abgerutscht und beide Außenbänder gerissen. Vorher ist er noch zwischen den Wagons von der U1 mit gefahren und hat sich dann vorm Chalet von dem scheiß Baum fallen lassen. Ja, jetzt ist er leider auf Krücken unterwegs.

Niels: Sogar extra! Der dachte einfach, dass das klar geht. [lacht]. Aber der Plan zu “Betteln at the Bänke“ war ein noch größeres Event zu kreieren als “Battle at the Bänke.” Aber eigentlich war das einfach nur ne Spaß Aktion.

“Taube ist so ein Charismat, du verzeihst ihm auch, dass er den ganzen Tag kippen bei dir schnorrt“

SCHUNDCREW

Ihr ergänzt euch da also ziemlich. Wer macht denn was?

Chris: Die Grundidee von Schund ist zwar Skateboarding und das ist so das Hauptding. Aber gerade am Anfang waren ganz viele Leute auch dabei, die eigentlich nicht mit dem Skaten involviert waren. Level hat Musik gemacht. Delphmann hat relativ whack gerappt. Niels macht die Graphics und jeder macht irgendwie was anderes. Shorty, Taube und noch ein paar andere machen Fotos. Der Name Schund bedeutet ja eigentlich Abwert, aber jeder der Bock hat kann sich mit dem Schund abgeben. Egal ob er skatet oder sonst was macht.

Monchi: Es definiert sich nicht nur über Skaten. Es ist ja auch viel mehr. Wir feiern und chillen ja auch zusammen. Wie ne Familie! Es gibt auch jeden Charakter. Es gibt den guten Daddy, den bösen Onkel, den Cousin, von dem keiner will, dass er kommt. Den Drecks Bulgaren, den es in jeder Familie gibt. Den Assi, der es zu nix gebracht hat. Es gibt Shorty und Henro. Henro ist so der Großcousin, mit dem man so über fünf Ecken verwandt ist. Von dem man weiß, dass es ihn gibt, aber keiner weiß so richtig was bei ihm abgeht.

Erzählt mal ein bisschen was über eure Videos. Die sind ja alle sehr amüsant und vor allem der Goldenboy ging ja richtig rund im Internet.

Shorty: Das mit den Videos hat glaub ich so mit Staple Gun angefangen. Das war das erste große Video, was wir gemacht haben. Das war vor 4 Jahren und Chris hat auch das gefilmt. Dadurch, dass Dirk am Anfang immer so ein bisschen unser Skateboardpapa, und jetzt sogar wirklich Papa geworden ist, hat das alles angefangen mit dem Filmen.

Chris: Dirk’s Channel war echt so der erste Channel aus Berlin und das hat dann auch irgendwie den Schund beeinflusst, weil wir dadurch eben mit den Videos angefangen haben.

“Bei “Wer wird Millionär” wurde sogar ‘ne Frage zum Goldenboy kreiert“

Und zu dem Goldenboy?

Niels: Ja, das war wieder so ne dumme Idee von Taube. Der sollte irgendein Projekt für die Uni machen und hat sich dann überlegt, dass Siggi, der halt so der geborene Performer ist, mit ‘ner Schubkarre skaten soll. Die Idee war dann wieder so dumm, dass es jeden geflasht hat. Dann haben wir das einfach gemacht. Das war so gar im Schund Anbietable Video als letzten Part zu sehen. Das war super krass für uns zu sehen wie das einfach eingeschlagen ist.

Chris: Aber das war ja erst viel später. Wir haben das Anbietable, das zweite Schund Video, hochgeladen und der Goldenboy Part war schon ein Jahr online, aber weil der schäbige Part von Niels davor war, hat sich das keiner so lange angeschaut. [lacht]. Dann hab ich den aus so ‘ner Laune einzeln hochgeladen und ‘ne Woche später ging das dann halt voll rum. Und bei “Wer wird Millionär” wurde dazu sogar ‘ne Frage kreiert. Die ganze Welt ist drauf abgegangen, das war richtig korrekt.

Monchi: Das muss halt alles immer super schnell gehen. Du hast heute eigentlich nur noch 15 Sekunden Instagram. Aber der Part hatte auf jeden Fall Potenzial und das verliert ja dadurch, dass das in einem Full Length ist, nicht an Qualität. Für uns auf jeden Fall der letzte und beste Part im Anbietable.

Wo wir gerade so ein bisschen über Instagram reden: Ich hab bei euch das Gefühl, dass ihr den ganzen Non-Sense, was andere Leute da raushauen, lieber ins Full Length packt. Macht ihr das bewusst oder seid ihr einfach nur nicht auf Instagram?

Niels: Das Ziel von Schund ist halt einfach die Dummheit im Skaten zu bewahren. Einfach auf alles zu scheißen und richtig dumme Sachen machen. Man kann das jetzt auch nicht immer filmen und muss man auch nicht. So Aktionen passieren bei uns eh die ganze Zeit wenn wir skaten gehen.

Chris: Abgesehen davon, dass ich kein Instagram habe, mag ich einfach diese kurzen Sekunden Clips nicht, wo einer dann Doubleflips im Standard Skatepark zeigt. Dann ist mir das lieber ein bisschen raus zu gehen, ein bisschen zu sammeln und das nicht nur für diese eine Situation online zu stellen.

Schundcrew

Aber du hältst ja dann schon auf alles drauf, was so am Tag passiert?

Chris: Ich geb’ mir in letzter Zeit auf jeden Fall mehr Mühe das ganze Drumherum auch zu dokumentieren. Sonst war ich eigentlich immer nur auf das Skaten fixiert. Ist halt auch schwierig, denn meistens hat man gar keine Zeit für das, weil ja irgendeiner am skaten ist und Taube im Hintergrund wieder ne dumme Idee hat. Niels hat jetzt aber von seinem Opa ne ganz korrekte Cam bekommen und er macht jetzt die Sideshots. Ich denke mir halt, wenn ich mir so ein Clip in 10 Jahren nochmal anschaue, dann interessiert es mich mehr wie dumm wir gerade waren oder was für ‘ne lustige Situation das war. Es geht mir so ein bisschen um die Erinnerung und das was passiert, wenn ich mir das später wieder anschaue. Es gibt so krasse Tricks und Skater da draußen, aber mir geht es eher um die Stimmung.

Wie war die Erniedrigungstour und wie ist es zu dem Namen gekommen?

Herrisch: [lacht] Das hat eigentlich alles damit angefangen, dass wir abends in Athen in ‘nem Strip Club feiern gehen wollten. Das hat irgendwie nicht so ganz hingehauen, weil wir zu besoffen waren und da nur Eulen waren. Im Endeffekt sind wir dann wieder im Hostel gelandet und da ist es dann so ein bisschen eskaliert, weil jeder noch Bock hatte. Ich hab Frosch gefragt, ob ich sein Feuer haben kann und er hat mich dafür in die Ecke getreten. Dann ist es eben komplett eskaliert und auf einmal ist es so ein Wrestling Ring geworden. Alle sind einfach ausgerastet und haben sich so ein bisschen geprügelt. Irgendwann ist Frosch dann so ausgerastet, dass er sich mit dem blanken Arsch auf Monchi’s Gesicht gesetzt hat mit den Worten: „Ja Monchi, jetzt hab ich dich so erniedrigt!“ Und dann war es eben die Erniedrigungstour.

Chris: Ab dem Zeitpunkt hat Frosch Monchi nur noch Arschgesicht genannt.

Niels: In Griechenland war es auf jeden Fall Frosch’s Mission jeden zu erniedrigen. Aber das war dann eben das Motto, dass alle scheiße behandelt werden und sich gegenseitig erniedrigen. War ‘ne geile Tour, echt fett!

“100% Berlin. 100% DVX. Außer einer Line, aber die musst du selbst finden“

Ist in eurem Mixtape auch noch Footage aus Griechenland oder wie ist das entstanden?

Chris: Nur in Berlin. 100% Berlin. 100% DVX. Außer einer Line, aber die musst du selbst finden.

Herrisch: Wir hatten eigentlich vor nur in Neukölln zu filmen. Und eigentlich sollte das auch gar nicht so lange werden. Im Endeffekt waren wir dann aber doch überall in Berlin skaten und es wurden immer mehr Leute, so dass dann so viel Footy rum gekommen ist.

Chris: Eigentlich hab ich nur mit Herrig angefangen. Dann kamen aber Konni, Gumpi, Marius, Paul und alle aus ihren Löchern und waren mit am Start. Ich hab dann auch beim Schneiden gemerkt, dass ich es nicht schaffe einen 2–3 Minuten Clip zu machen. Ich kriegs einfach nicht hin. Auf einmal wird es immer mehr, aber eigentlich wollte ich echt mal so ‘nen kürzeren Clip fürs Internet machen. Die Aufmerksamkeitsspanne ist ja nicht mehr so lange. Ich hab’s dieses Mal echt versucht, aber wieder nicht geschafft. [lacht]

SCHUNDBOARD

Aber dann sollte sich das ja jeder bis zum Ende anschauen, denn bei euch weiß man ja nie, ob da vielleicht noch ein Goldenboy Part 2 kommt. Was ist bei euch sonst noch geplant in nächster Zeit?

Niels: Wir machen bald wieder ‘ne fette Balkan Tour und filmen dann wieder für ein neues Video. Wir wollen nach Kroatien, Serbien, Bosnien, Kosovo und eben die ganzen Länder in der Ecke. Da waren wir alle noch nie und wir wissen auch nicht was da geht. Aber das ist halt auch der Reiz. Wir haben bisher jedes Jahr ‘ne Tour gemacht und waren zum Beispiel in Tschechien und Polen.

Chris: Wir tendieren irgendwie immer Richtung Osten. Immer Osten! Da ist halt auch noch ein bisschen Abenteuer. Nach Barcelona kann ja jeder fahren. Ich finde auch die Visual Traveling Sachen von Patrik Wallner voll gut. Und auf sowas hab ich Bock.

Herrisch: Wir kennen da keinen einzigen Spot und man weiß nicht was kommt. Das macht halt mega Bock, einfach alles zu skaten was kommt.

Ihr habt ja auch Zipper und T-Shirts gemacht. Wer macht die Designs und ist das quasi eure Uniform für die Crew? Steigt der Schund jetzt in das Modebuisness ein?

Herrisch: Ach, das ist einfach ein Homie Shirt. Niels hat das Design gemacht und jeder, der eins haben will, kann eins haben. Das ist eigentlich durch die Schund Parties entstanden. Wir hatten schon zwei Premieren und das Geld, dass wir dadurch eingenommen haben, haben wir halt für die Druckkosten benutzt.

Chris: Wir haben es gewagt, so ein paar Shirts und Zipper zu drucken und jetzt fragen wir uns, ob das überhaupt jemand will. Zu Schund würden vielleicht 20 Leute kommen, aber da wir das mit MongoBongo zusammen gemacht haben und wir uns von denen in den Arsch ficken lassen, kommen die anderen 500 Leute halt auch.

Shorty: Wer errät wie alt Tina Twaika ist, bekommt ‘nen Zipper umsonst. [lacht]

Jetzt mal unter uns: Wer hatte schon was mit Tina Twaika?

Monchi: Wir hatten alle was mit Tina Twaika. Das ist unsere Skatebetty und das ist einfach die Beste. Die steht aber nur auf Skater und auf einige ausgewählte Skateboardfotografen.

Chris: Sie hat mir letztens erzählt, wie sie was mit nem Typen hatte. Sie war mal wieder den ganzen Tag an den Bänken auf Jagd nach süßen Skaterboys, aber irgendwie hat’s nicht geklappt. Dann hat sie einfach mal allen ihren 2500 Skaterboys in ihrer Freundesliste angeschrieben und hat ziemlich direkt gefragt: „Hey, hast du Lust heute vorbeizukommen?“ Irgendein trauriger Typ hatte Bock darauf und kam mit ‘ner Flasche Wein vorbei. Sie hat ihn dann vom Balkon aus beobachtet und gesehen, dass er ‘ne Kippe geraucht hat. Das fand sie aber gar nicht gut, denn Tina mag keine Raucher außer uns. Er wurde dann mit den Worten „Ich hasse Raucher. Du bist hier nicht willkommen!“ abserviert. Der Typ war natürlich total verzweifelt und wusste nichts mehr mit seiner Flasche Wein anzufangen. Tina ist auf jeden Fall ‘ne harte Frau, aber sie ist Teil unserer Familie geworden. ‘Ne hammerharte Bitch!

Danke für das Interview, Jungs! Habt ihr noch irgendwelche abschließenden Worte oder Grüße?

Herrisch: Ja, Mann! Grüße und Shout outs an die Dshild Crew, Brainhxstle, MongoBongo und natürlich an die Schund Crew. Das sind auf jeden Fall Sachen, die ihr im Auge behalten müsst. Das ist alles ein Kessel.

Niels: Ja, im Brainhxstle Video sind die besten Herrisch Slams.

Herrisch: Ach komm, ich geh nach Hause. Scheiß Erniedrigung.

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