Solo

Behind Blue Eyes – Lasst die Toten ruhen

1. Dezember 2015

Der Workshop ist gestorben und nun kürzlich wieder auferstanden, Koston und Mariano sind runter von Girl und auch Geoff Rowley hat Flip verlassen. Für Skatecompanies stehen die Zeiten auf Wandel. Pat Lindenberger hat sich dazu seine Gedanken gemacht.

[Illustration: Timo Brunzel]

Pat Lindenberger – Behind Blue Eyes

Man soll die Toten ruhen lassen, oder aufgewärmt schmeckt nur Chili.

Vor kurzem flatterte im Internet Release Wahnsinn das neue Video von Alien Workshop über den Schirm. Da ich nicht alles mag, aber doch alles sehen will, habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen. Und da waren sie wieder, die 15 Minuten meines Lebens, die nie wieder kommen, geopfert für ein Video, an das ich mich nicht im geringsten erinnere. Weil es schlecht war? Weil die Skaterei schlecht war? NEIN! Es ist schlicht nichts hängengeblieben! Nichts.

Dann denke ich an Mindfield zurück, den “Vorgänger” von Alien Workshop, da stellten sich mir im Intro schon die Haare vor Stokeness auf und wenn Heath Kirchart zu Morrisey loslegt, war und ist! alles vorbei. Das ganze Biest von vorne bis hinten ein Meisterwerk, das die Zeit übersteht.

Da kommt mir der Gedanke, was aus Alien Workshop geworden ist? Die waren doch tot! Team, Manager, alles weg – und jetzt wieder da? Wieso? Weshalb? Warum? Was hat das mit dem Workshop zu tun? Ich weiß es: Gar Nichts! Aber wieso macht man sowas, eine Company wiederbeleben? Es gibt nur einen Grund, ein Geschäft mit dem Namen zu machen. Aber Tote soll man doch ruhen lassen und auch Bandreunions und Filmremakes waren schon immer scheiße!

Da fällt mir sofort auch die sinnlose Aktion eines kanadischen Vertriebes ein, das legendäre englische Brand Blueprint vor ein paar Jahren wieder zu beleben, natürlich rein aus geschäftlichem Interesse, aber es war zum Glück ein Flop. Denn es ist nicht der Name, der eine Company ausmacht, es sind das Team, der Spirit, das Image, die das Ganze prägen. Etwas das man nicht kaufen, und schon gar nicht wieder auferstehen lassen kann. Das Gleiche geschah beim Workshop, Name und Logo ist vorhanden, aber der Rest ist nicht mehr als eine gesichtsloser Skateboard Brand. Dafür können die armen Teamrider nichts, die können einem nur Leid tun.

Es ist alles austauschbar geworden, es hätte ein X-beliebiges Video sein können, nicht mehr und nicht weniger, es hatte einfach keine Seele mehr. Davor waren Clips, Ads und die Grafiken stimmig und hatten Persönlichkeit, da steckte Herzblut drin, nicht nur Geld. Auch Plan B ist nicht mehr das was es früher war, wir haben nun mal nicht 1995, so weh es auch tut, alles hat seine Zeit, seine golden Ära und Epoche, diese ist irgendwann vorbei.

Vor einer Minute verließen Guy Mariano und Eric Koston Girl, ist das auch der Anfang vom Ende? Ist die legendäre Crailtap Ära durch? Droht den Companies ein ähnliches Aus? Oder kann die nächste Generation hier die Fackel weitertragen und das schwere Erbe antreten? Was passiert, wenn der Rest der Großen in Rente geht, wird nur die Zeit zeigen. Man wünscht es vor allem den Core-Companies, aber am Ende bleibt es doch wie Robert Frost schon vor langer Zeit sagte: Nothing gold can stay!

Das gilt auch für die ganzen Labels aus den 80igern, die leider wieder hervorkriechen und uns durch die ganze pseudo-hippe Retro/Vintage-Fashion Welle die Ozonschicht versauen, wenn sie von Wahlberlinern spazieren getragen werden. Ja, ich weiß, die Vision Streetwear Shorts waren der Shit – wie gesagt waren.

Don Johnson war zu dieser Zeit auch der Shit, aber läuft der heute immer noch so herum? Nein, denn der war cheffig und wußte Stil kann man im Gegensatz zu einem Namen nicht kaufen!

Merkt euch das ihr geldgeilen Haie.

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